417
Die militärische Lage im Raum zwischen Theiß und Donau ist im Hinblick
auf die Umsiedlung nicht klar zu erkennen. Die jazygischen Sarmaten sind,
vielleicht von anderen Stämmen oder vom Militär bedrängt, tatsächlich nach Süden
vorgedrungen. Es könnte
jedoch
auch die Gefahr bestanden haben, dieses meist
von Sarmaten bewohnte Gebiet in die Provinz
Sarmatia
einzugliedern, die Marcus
Aurelius im
Barbaricum
neben
Marcomannia
zu gründen geplant hatte.
Die Historia Augusta berichtet darüber wie folgt: “
…er wollte
Marcomannia
und
Sarmatia
römische Provinzen machen und hätte es auch getan, wenn während
seiner Regierungszeit sich Avidius Cassius im Osten nicht gegen ihn erhoben
hätte…
”. Diese Behauptung lässt vermuten, Marcus Aureliu habe um das Jahr 177
beschlossen, die beiden Provinzen im
Barbaricum
zu gründen, als im Orient der
Aufstand des Avidius Cassius stattgefunden hat.
Es ist nicht klar, wie weit südlich sich die Provinz
Sarmatia
erstrecken sollte.
Damals müssen aber die barbarischen Stämme, die dieses Areal bewohnten, davon
erfahren haben. Die jazygischen Sarmaten haben den Vorstoß nach Süden ins
Gebiet zwischen Theiß und Donau begonnen und dabei versucht zu verhindern,
dass sie in die römische Provinz einverleibt werden. Das kann die Migration der
jazygischen Sarmaten nach Süden in das Gebiet zwischen Theiß und Donau bis zur
Mündung der Marosch in die Theiß erklären. Unter diesem Druck der Sarmaten hat
die Bevölkerung zwischen Theiß und Donau versucht, sich in den Gebieten östlich
der Theiß in Sicherheit zu bringen. Die Einheimischen dieses Areals konnten nicht
die Donau in Richtung Pannonia Inferior überqueren, aber sie konnten sich den
Gebieten östlich der Theiß nähern um sich hier niederzulassen. Die jazygischen
Stämme sind vorgedrungen und haben ein neues Gebiet besetzt, viel näher an der
Donau im Süden des “Beutels“. Die Siedlungen dieses Raumes waren gezwungen,
sich nach der östlichen Theiß zurückzuziehen, um sich zu retten. Diese Umzüge
haben zwischen der Theiß und der Donau vermutlich militärische Konflikte ausgelöst.
Folglich musste die Armee zu deren Schlichtung in Dakien eingreifen und schließ-
lich durch das Akzeptieren der Ortsbewohner innerhalb der Provinzgrenzen das
Problem lösen.
Als erste Umsiedlung erwähnt Dio Cassius während des Legaten
C. Vettius
Sabinianus Iulius Hospes
(180–182) die Erlaubnis für 12.000 vertriebene freie
Daker, sich in der Provinz Dakien niederzulassen. Wir wissen noch nicht genau,
wo diese Gemeinschaften ansässig wurden. Es gehörte aber
die Erlaubnis der Römer
dazu, für die diese sesshafte Bevölkerung Stabilität bedeutete. Das erklärt auch die
Nähe am
mittleren
Wall, der in diesem Abschnitt den südwestlichen Limes Dakiens
markierte.
Die archäologischen Funde aus dem Raum zwischen Theiß und mittlerem
Wall im Südwesten Dakiens belegen diese Situation. Die dako-römische Siedlung
von Freidorf–Temeswar liegt ca. 1000 m westlich des römischen Walls, während
die von Dumbrăviţa kaum 500 m davon entfernt ist.
Infolge der Markomannenkriege mussten die Römer auf die
terra deserta
bis
zur Theiß, vor dem mittleren Wall entlang der Westgrenze Dakiens verzichten, so
wie das bereits zum Zeitpunkt der Eroberung zu geschehen hatte. Bislang gibt es




