Background Image
Previous Page  413 / 530 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 413 / 530 Next Page
Page Background

412

Feldforschungen hat es bereits im 18. (von F. Marsigli) und vor allem im

19. Jahrhundert (von F. Milleker u.a.) gegeben, diese bieten aber keine bedeutenden

Informationen zur Stratigrafie und Struktur der Lager und der hier stationierten

Truppen. Mit jeder Generation sind neue Belege hinzugekommen, doch wenige

Fundorte wurden systematisch erforscht (mit Ausnahme deren von

Tibiscum

,

Praetorium

(Mehadia) und neuerdings

Arcidava

(Vărădia) und

Berzobis

) und diese

bieten kein umfassendes Bild des Wehrsystems. Daher auch die zahlreichen

unbestätigten Arbeitshypothesen.

Im Altertum wurden auf dem südwestlichen Gebiet Dakiens unmittelbar nach

der Eroberung die militärischen Linien Lederata–Tibiscum und Dierna–Tibiscum

gebildet, nebst zwei anderen entlang der Donau zwischen Banatska Palanka–Dierna–

Drobeta und entlang der Marosch Bulci–Micia. Die Befestigungsanlagen haben die

Aufmerksamkeit der Fachleute umso mehr geweckt, als sie durch Erdwälle verstärkt

waren, die die Grenzen der Provinz markierten und implizite beschützten.

Die zahlreichsten Forschungen gab es in der Nachkriegszeit durch die neuen

Museen aus Reschitz und Caransebeş neben denen aus Temeswar und Arad, weil

die Anzahl der daran interessierten Archäologen gewachsen war. Die wichtigsten

Forschungen wurden von Prof. M. Macrea, D. Protase und N. Gudea durchgeführt,

danach in den letzten Jahrzehnten von den Fachleuten der Banater Museen wie

Ovidiu Bozu und der Verfasserin der vorliegenden Arbeit zusammen mit den

Mitarbeitern der West-Universität. Die Rettungsgrabungen beim Bau moderner

öffektlicher Bauten und der Autobahnen haben zum Identifizieren und sogar Freilegen

einiger Wohnsiedlungen sowohl auf dem Gebiet der Provinz als auch außerhalb

dieser beigetragen. Vorläufig bieten die Untersuchungen noch lange kein umfassendes

Bild der gesamten antiken Siedlung.

Dakisch-römische Präliminarien

. Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. hat

die am südlichen Donauufer entstandene Grenze das Römische Reich mit den Dakern

nördlich der Donau gerade im südwestlichen Teil der Provinz in einen unmittelbaren

politischen und militärischen Kontakt gebracht. Die militärische Organisierung

dieses Gebietes war die Folge der beiden Feldzüge des Legaten Mazedoniens

Marcus

Licinius Crassus

in den Jahren 29–28 v. Chr., als die Mehrheit der einheimischen

mösieschen Bevölkerung infolge der Befriedung keine bedeutende militärische

Macht mehr darstellte.

Es ist bekannt, dass der General

C. Cn. Lentulus

die ersten

praesidia

am

rechten Donauufer organisiert hat, um die Schifffahrt auf dem Strom und alles, was

die Daker unternahmen, zu überwachen. Zur Zeit Augustus’ wird in der berühmten

Testament-Inschrift des Kaisers

Res Gestae divi Augusti

(XXXX, 2) Cotiso als

König der Daker erwähnt, was indirekt auf den Ruf des dakischen Königs in seinen

militärischen Beziehungen mit den Römern verweist. Der Sitz des dakischen Königs

Cotiso befand sich im Sebeşului Gebirge, aber wir können nicht ausschließen,

seine Hauptstadt sei irgendwo im Banater Gebirge gewesen, woher der Zugang zur

Donau im Abschnitt des Cazane-Engpasses leichter war. Man nimmt an, die Daker

seien um das Jahr 16 v. Chr. eingedrungen (infolge einer Invasion der Skordisken)

oder im Jahre 11 (nach der Niederlage des thrakischen Aufstandes). Zu dem Zeitpunkt

jedenfalls, als der Aufstand der Dalmater und der Pannonier gegen die römische