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In den letzten Jahrzehnten wurde in unmittelbarer Nähe des Militärlagers von
Tibiscum ca. 600 m nördlich bei
Zăgujeni
im Punkt “Conducta de gaz” eine
Dorfsiedlung mit Holzbauten und einem bescheidenen Fundinventar identifiziert.
Vorläufig sind wenige Siedlungen archäologisch dokumentiert. Erkennbar
sind aber Siedlungen in der Nähe der Lager und
vici militares
wie bei
Tibiscum
,
Praetorium
, wohl auch
Berzobis
.
In anderen Fällen, vor allem im Almăjului–Gebiet, gibt es wenige verstreute
Dörfer, weil da wegen der ungünstigen Wohnbedingungen nur Viehzucht betrieben
werden konnte.
Der Südwesten Dakiens ist meist hügelig und für die weit angelegte
Landwirtschaft nicht so günstig. Für die lokalen Bedarfswirtschaft war das gut,
aber nicht für die Ausfuhr. Durch die Viehzucht konnten aber die Abgaben der
Provinz an den römischen Staat und der Austausch gesichert werden. Die beiden
Filialen der
conductores
bei Tibiscum und Micia sprechen dafür und beweisen die
unmittelbare Kontrolle über diese Beschäftigung und die Weiden. Dalboşeţ und
vielleicht auch Lăpuşnicel konnten Sitz der kaiserlichen Güter oder sogar großer
Senatoren gewesen sein, für die es bislang keine epigrafischen Belege gibt, wie
I. Piso voraussetzt.
Das kleine und mittlere Gut bildete die Grundlage der Landwirtschaft in der
Provinz, die auf der Kolonisierung mit Veteranen basierte. Das erklärt die große
Anzahl der Ritter in den großen Städten der Provinz wie Ulpia Traiana (17) und
Apulum (17), obwohl als Senator nur P. Aelius Gemellus in Apulum erwähnt wird.
Im Banater Gebirge gib es
Erzgebiete
, die wie folgt gruppiert sind: Reschitza
(Semenic–Gebirge), Bocşa–Ocna de Fier–Dognecea, Orawitza–Sasca–Moldova
Nouă (Locvei–Gebirge), Ruşchiţa (Poiana Ruscă–Gebirge) und Bozovici. Diese Gebiete
sind reich an
Eisen
,
Kupfer
,
Blei
,
Silber
und in kleineren Mengen an
Gold
u.a.
Die Römer sind früh auf die Banater Bodenschätze aufmerksam geworden.
Gleich nach der Gründung der Provinz ist ihr Fördern unter römische Verwaltung
gekommen. Es gibt keine Hinweise auf das Fördern in vorrömischer Zeit.
Der
Südwesten Dakiens
bildete einen
komplexen Minenbezirk
. Er umfasste
zwei große Gebiete mit reichen Bodenschätzen. Das erste, ohne epigrafische
Belege, lag um die jetzigen Ortschaften Bocşa, Ocna de Fier, Eftimie Murgu und
vielleicht auch Dognecea. Der bei Surducu Mare identifizierte Ortsname
Centum
Putea
ist besonders. Da der antike Ort an der Wehrlinie der Lager von Lederata–
Tibiscum erscheint, wie auf der Tabula Peutingeriana gezeigt wird, hat das die
Gründung dieses Militärzentrum mit dem Bergbau-Namen bei Surducu Mare bewirkt.
V. Wollmann hat behauptet, der Ortsname beziehe sich auf die Siedlung von
Moldova Nouă, wo es deutliche Spuren des Bergbaus gibt. Später wird der Ortsname
in der Tabula Peutingeriana erwähnt, wobei eine Verwechslung zwischen den beiden
Ortschaften vorliegen könnte. Diese Behauptung ist interessant und wir halten das
für möglich. Dabei könnte auch das Zentrum von Bocşa oder Ocna de Fier näher
an dieser Gegend gewesen sein und damals diesen Namen getragen haben.
Das zweite Gebiet liegt im
Süden des Banats
bei Moldova Nouă (Eisen,
Silber, Blei), Sasca Montană (Kupfer, Blei, Eisen, Gold), Ciclova Română (Eisen).
Die wichtigsten Funde gibt es bei Moldova Nouă im Punkt Ogaşul Băieşului.




