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die aus dem östlichen Schwarzmeerraum kamen. Die militärischen Zusammenstöße
waren häufig, fast alljährlich, aber sie haben nicht Dakien, sondern nur benachbarte
Gebiete betroffen.
Die Thronbesteigung Aurelianus’ im Jahr 270 brachte eine neue Stabilisierung
des Militärs im Reich. Die Reiterei, deren Anführer Aurelianus bis zu seinem
Kaiseramt gewesen war, hat sich später als wichtigster Teil der Armee erwiesen.
Meines Erachtens bestand sie aus der Mehrheit der früheren Truppen aus Dakien
und diese haben in den Auseinandersetzungen den Erfolg gesichert. Vor dem Orient-
feldzug war Aurelianus jedoch gezwungen, zwei- oder dreimal gegen Barbaren auf
dem Gebiet der Provinz nördlich der Donau auszuschreiten. Es handelte sich
nacheinander um Taifalen, freie Daker aus dem Westen (?) und Karpen.
Der Angriff der
Goten
fand 272 im Osten des unteren Donaulaufes statt, wo
sie die Armee des Aurelianus auf ihrem Weg nach Palmyra überraschte. Nach dem
Sieg vom 24. Juni 272 bekam Aurelianus den kaiserlichen Ehrennamen
Gothicus
Maximus
. Gemäß der Information aus
SHA, Vita Divi Aureliani, 22,2
hat der
Kaiser eigenhändig den Gotenführer
Canabas
oder
Cannabaudes
umgebracht.
Dieser Sieg der Römer hat die Goten für eine Zeit beruhigt.
Der
Hauptfaktor
der römischen Politik in den letzten Jahrzehnten des 3. Jahr-
hunderts betraf
die innere Stabilität des Reiches und die Ruhe an den Grenzen des
römischen Staates
, da die Angriffe – vor allem der Goten zusammen mit den
Karpen – periodisch und nach kurzen Zeitabständen stattfanden.
Die spätrömischen literarischen Quellen
Aurelius Victor, Eutropius, Rufius
Festus, Historia Augusta, Orosius
und
Iordanes
sind antike Belege für den Rückzug
der Römer aus Dakien. Sie erwähnen in fast identischen Texten, wie das Militär
und die Bewohner der Provinz Dakien verlassen und südlich der Donau zwischen
die beiden Mösien gezogen sind.
Im Jahr 275 hat Aurelianus nach der Rückkehr der Armee aus dem Orient
und dem Besuch im Illyricum beschlossen, die Provinz Dakien zu verlassen und
zwischen Moesia Superior bzw. Inferior eine neue Provinz mit demselben Namen
zu gründen.
Die verlassenen
römischen Befestigungsanlagen
weisen keine Brandspuren
auf, wie in den Fällen, wenn sich die Römer zurückgezogen haben. In der zivilen
Umgebung gibt es weder in den Städten noch in den Dörfern der ehemaligen
Provinz Zeichen der Gewalt. Das Benutzen der Gebäude, zwar in eingeschränktem
Maße, wird bei Porolissum, Tibiscum, Ulpia Traiana usw. bemerkt und es zeigt,
dass die eventuell weniger zahlreiche dako-römische Bevölkerung in den Siedlungen
gewohnt hatte. Bei Tibiscum arbeiten die Töpfereien und die Glaswerkstätten
weiter, im Lager von Praetorium (Mehadia) die Töpfereien und die zur Metall-
verarbeitung. Die relativ zahlreichen spätrömischen Münzfunde auf dem Areal der
Städte verweisen auf das Integrieren des Gebietes in die Marktwirtschaft.
Die ersten beiden Jahrzehnte bis zur Tetrarchie sind wichtig, um die Ent-
wicklung der Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und der ehemaligen
Provinz Dakien zu verstehen. Zur Bevölkerung gehörten viele Veteranen und
einheimische Daker, die aufgrund der geltenden römischen Gesetze Immobilien




