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Die geistlichen Beziehungen zwischen der Banater Ebene und dem Bergland

stellt ein wichtiges Forschungsthema dar, das noch nicht genügend beachtet wurde.

Die bisherigen Funde begünstigen ein solches Vorhaben auch nicht.

Die epigrafisch oder archäologisch belegte demografische Situation im

Südwesten Dakiens entspricht den allgemeinen Angaben für die Provinz. Die nur

durch Probegrabungen belegten dakischen Dorfsiedlungen Criciova oder Grădinari

werden aufgrund des Inventars ins 3. Jahrhundert datiert.

Die Römer haben sich bemüht, das bewohnte Gebiet in die römische Welt zu

integrieren; das beginnt mit den entsprechenden Verkehrswegen und verläuft über

die Schaffung geeigneter Wohnbedingungen für die Bevölkerung. Auf dem Gebiet

der Provinz haben sich ethnische Gruppen (z.B. norisch-pannonische) niedergelassen,

die zusammen mit den einheimischen Dakern das Wirtschaftsleben in jeder Hinsicht

gefördert haben.

Die Banater Ebene aus dem Barbaricum westlich des mittleren Walls weist

zwei Teile auf. Das erste Gebiet

grenzte an die Donau

in der Nähe von Moesia

Superior und stand zum Teil unter der Kontrolle dieser Provinz. Da wurden

deutliche römische Elemente verzeichnet, Importe von Waren und Schmuck, aber

auch geistlichen Einfluss wie den “Obolus des Charon” als Grabbeigabe oder den

möglichen Übergang der lokalen Bevölkerung (Kelten, Daker) von der Erd- zur

Brandbestattung. Wir beziehen uns hauptsächlich auf die Entdeckungen von

Pantschewo, Werschetz usw.

Die militärische Anarchie Mitte des 3. Jahrhunderts hat die Beziehungen

zwischen der Provinz und dem Reich beeinträchtigt, was in einigen Jahrzehnten

zum Rückzug zahlreicher Auxiliartruppen aus Dakien geführt hat. Die Verteidigung

der Provinz war bloß auf die Infanterie einiger Lager beschränkt, was hier eine

besondere Situation

geschaffen

hat. Daher stammt auch die Meinung der spät-

römischen Geschichtsschreibung, es habe die

amissa Daciae

, also das Verlassen

zur Zeit Gallienus' stattgefunden. Das könnte das Fehlen einiger Auxiliartruppen in

der ehemaligen Provinz erklären, die nach 271 oder 274/275 auf dem Gebiet des

Reiches nicht mehr erscheinen, da sie mit den mobilen Reitertruppen des Gallienus

“verschmolzen” sind. Die Bedeutung der römischen mobilen Reitertruppen für das

Reich nimmt in den kommenden Jahrzehnten bis zur Einführung des Dominats

dauernd zu. Aus der Reihe ihrer Führer wurden die meisten Kaiser gewählt, die

Gallienus gefolgt sind.

Die Regierung der Kaiser Gallienus und Aurelianus (268–275) umfasste

einige Jahre, die zur

konkreten Idee des Aufgebens

der Provinz nördlich der Donau

und implizite zum Rückzug des Militärs an die Donau geführt hat. Die Rekonstruktion

dieser Periode, die den Rückzug der römischen Verwaltung und Armee markiert,

ist in ihren gesamten Ausmaßen kaum zu erfassen.

Um die literarischen Quellen mit allen dazu gehörenden Elementen wurde

unzählige Male diskutiert. Die wenigen epigrafischen Quellen sind in der Fachliteratur

sehr gut bekannt; bloß zwei Inschriften von Potaissa sind unlängst hinzugekommen.

Das Römische Reich blickte damals den heftigen Angriffen der Barbaren entgegen,